Beiträge

Schöne, neue Arbeitswelt?

New Work, Innovation Labs, Agile Leadership, Gig Economy, … und so viele Begriffe mehr schwirren derzeit durch die Arbeitswelt. Doch was steckt dahinter?

Die Definitionen all jener neuen Begriffe und Trends sind so schwammig und verschieden, wie die Herausforderungen, die sie zu lösen versprechen. Doch was bleibt, wenn man einen Blick hinter all die Buzzwords unserer Zeit wirft?

Personal- und Organisationsentwicklern ist meist recht schnell klar: so viel Neues steckt da oftmals gar nicht drin. Es gibt noch immer keinen „short-cut“, der über Nacht Unternehmen umkrempelt und zu innovativen Effizienzwundern macht, wo arbeiten plötzlich Spaß macht und alle Probleme im Prozessablauf in der Luft verpuffen. Selbst ein Kickertisch kann das nicht leisten…

Der Hype um New Work führt dabei oftmals eher zu einer Verschlimmbesserung in der Arbeitswelt. Werden neue Strukturen und Modelle im puren Aktionismus umgesetzt, wird eine grundsätzlich gute Idee schnell zur unliebsamen Realität. Ein bekanntes Beispiel ist hier der Onlineshop Zappos, die mit der Einführung der Holokratie schlagartig nicht nur vor gravierenden Personalproblemen standen.

Ein Unternehmen ist keine Maschine, die sich einfach updaten lässt

Viele der zugrunde liegenden Ansätze zielen auf Empowerment der Mitarbeiter, eine Stärkung der Selbstverantwortung oder einen höheren Vernetzungsgrad innerhalb der Organisation ab. Daran ist auch überhaupt nichts auszusetzen.

Doch der Abbau oder Austausch von Strukturen geht auch immer mit einem Verlust der Sicherheit einher, es entsteht Widerstand, Verunsicherung und Orientierungslosigkeit. Wenn Unternehmen unreflektiert auf agiles Arbeiten setzen oder Methoden wie User Centered-Design einführen, diese jedoch weder zur Unternehmensstruktur oder –noch wichtiger– der Unternehmenskultur passen, kann es schnell problematisch werden.

Letztlich ist es immer entscheidend, welches Ziel mit der Einführung einer neuen Methode verfolgt wird und die damit verbundene Frage: kann die Methode in unserem Umfeld und Aufgabenanforderung (z.B. Komplexität) überhaupt hilfreich sein?

Um einen großen Schritt in die neue Arbeitswelt zu gehen, braucht es vor allem eines: im Klarheit über die ZielsetzungStrategie und die aktuelle Situation. So lassen sich gezielt wirksame Modelle auswählen und anpassen. Damit die Umsetzung anschließend auch gelingt, müssen in weiterer Folge Maßnahmenpakete geschnürt werden, die die Mitarbeiter befähigen, sich in der veränderten Situation schnell zurecht zu finden.

Die verlorene Sicherheit in der Struktur muss in jedem Falle aufgefangen werden – beispielsweise durch den gezielten Kompetenzaufbau bei Mitarbeitern und Führungskräften.

Verantwortung und Sinn als zentrale Konzepte

Der Weg in eine erfolgreiche Zukunft führt an den Mitarbeitern nicht vorbei: Umsatz und Gewinnsteigerungen brauchen motiviertes Personal. Doch wie lassen sich Mitarbeiter motivieren?

Intrinsische Motivation, also die Motivation von innen heraus, kann beispielsweise dadurch gesteigert werden, dass der Sinn im eigenen Handeln sowie den übergeordneten Unternehmenszielen gesehen wird – dadurch wird die Frage, Warum mache ich meine Arbeit? schnell beantwortet.

Liegt darüber hinaus auch noch ein hohes Maß an Verantwortung (mit den entsprechenden Handlungsspielräumen) für den individuellen Aufgabenbereich, steht einer motivierten Arbeitskraft (fast) nichts mehr im Weg.

Viele Unternehmen scheuen sich jedoch, Mitarbeitern wirkliche Verantwortung zu übergeben, denn es kann diese ja auch missbraucht werden. Doch die Studienlage dazu ist recht eindeutig: wird den Mitarbeitern mehr Verantwortung zugesprochen, wird diese auch übernommen. Das erhöht das Commitment zu den übergeordneten Zielen der Organisation. Sehen sich die Mitarbeiter dadurch unmittlbarer mit dem Unternehmenserfolg verbunden.

dm drogeriemarkt Österreich ist eines der hiesigen Vorreiter im Bereich des selbstverantwortlichen Handelns auf Mitarbeiterebene. Und damit überaus erfolgreich. Führende nehmen die Rolle des Begleiters oder Coaches ein, um die Mitarbeiter zu unterstützen. Ein lesenswertes Interview ist auf dem Karriere.at Blog zu finden: https://www.karriere.at/blog/dm-drogeriemarkt-als-arbeitgeber.html .

Ein anderes Beispiel zum Thema Urlaub: Einige Unternehmen haben in den vergangenen Jahren eine „unlimited vacation-policy“ eingeführt. Jeder Mitarbeiter entscheidet selbst, wie viel Urlaub er nimmt. Dropbox, Github, Hubspot sind prominente Vertreter dieser Regelung. Wozu hat das nach der Einführung geführt? Paradoxer Weise haben die Mitarbeiter anschließend weniger Urlaub genommen, als zuvor. Zusammen mit der Verantwortung für die eigenen Projekte, hat der Urlaub „den Kürzeren“ gezogen. Weil sich das allerdings mittel- und langfristig negativ auf die Fehlzeiten und die Beanspruchung auswirkt, wurden diese Regeln vielerorts um eine „Mindesturlaub-klausel“ oder zusätzlichen Incentives bei der Inanspruchnahme einer definierten Zahl an Urlaubstagen erweitert.

Wo stehen wir also?

Gerade für etablierte Unternehmen ist es allerdings zwingend notwendig, sich mit diesen Trends kritisch auseinanderzusetzen, wollen sie mit der Entwicklung Schritthalten.

Derzeit befinden wir uns in einen höchst interessanten Spannungsfeld: in einigen Unternehmen kommen organisationsübergreifend Kollaborationstools ganz selbstverständlich zum Einsatz, in anderen wird unter Digitalisierung noch die Überführung der Kundenliste in Excel verstanden. Genauso interpretieren im Grunde alle Firmen (genauso wie die Beratungsfirmen) „New Work“ unterschiedlich.

Erfolgreiche Organisations- und Mitarbeiterentwicklung gelingt, wenn zuvor der Bedarf sauber ermittelt wurde, Ziele festgelegt sind und in einem strukturierten Prozess mit entsprechender Evaluation Maßnahmen iterativ umgesetzt werden. Daran ist nichts neu.

Was „New Work“ in jedem Falle leisten kann: Reflexionen und sinnvolle Diskussionen anregen. Denn es lohnt sich, gewohnte Regeln und Prozesse zu überdenken, das Führungs- und Rollenverständnis infrage zu stellen und die bestehende Kultur herauszufordern. Potenziale gibt es in jeder Organisation!